Claude im Unternehmen einrichten: Anleitung für kleine Betriebe
Tarif wählen, Team anlegen, Datenschutz einstellen, Projekte, Connectors und Skills nutzen: So richten kleine Betriebe Claude Schritt für Schritt ein.
Claude von Anthropic ist längst mehr als ein Chatfenster: Mit Projekten, Anbindungen an E-Mail und Cloud-Speicher, Skills und geplanten Aufgaben kann der Assistent feste Arbeitsschritte im Büro übernehmen. Ob das im Betrieb sicher und nachvollziehbar funktioniert, entscheidet sich bei der Einrichtung. Diese Anleitung führt Sie Schritt für Schritt durch – Stand: September 2026.
Das Wichtigste in Kürze
- Für Betriebe mit mehreren Nutzern ist in der Regel der Team-Tarif die richtige Wahl: zentrale Verwaltung, standardmäßig kein Training mit Ihren Inhalten, Auftragsverarbeitungsvertrag inklusive.
- Seit dem 16. September 2026 sind Chat und Cowork zu einem gemeinsamen Claude zusammengeführt. Die neue Oberfläche erreicht zuerst Pro und Max, Team und Free folgen.
- Projekte bündeln Wissen und Anweisungen, Connectors binden Google Workspace oder Microsoft 365 an, Skills standardisieren wiederkehrende Aufgaben.
- Schalten Sie nur frei, was ein konkreter Ablauf braucht, und lassen Sie Claude vor Aktionen nachfragen.
- Eine kurze Einweisung und schriftliche Regeln gehören dazu, auch wegen der Pflicht zur Förderung von KI-Kompetenz aus dem EU AI Act.
Was hat sich bei Claude im September 2026 geändert?
Bis Mitte September 2026 gab es zwei Arbeitsweisen: den Chat für Fragen und Texte und Cowork für größere Aufgaben mit Dateien und mehreren Arbeitsschritten. Am 16. September 2026 hat Anthropic beide zu einem gemeinsamen Claude zusammengeführt. Claude erkennt nun selbst, ob eine kurze Antwort genügt oder ob es recherchieren, Dateien lesen, Code ausführen und Ergebnisse zusammenstellen soll. Längere Aufgaben laufen in der Cloud weiter, auch wenn Sie den Laptop zuklappen.
Die neue Oberfläche kommt schrittweise, zuerst für Pro und Max; Team und Free folgen, Enterprise-Kunden erhalten mindestens 30 Tage Vorlauf. Projekte, Connectors und Skills bleiben erhalten, Menüs können aber je nach Konto anders aussehen. Die hier genannten Menübezeichnungen stammen aus der englischsprachigen Hilfe von Anthropic.
Schritt 1: Welcher Claude-Tarif passt zu Ihrem Betrieb?
Anthropic unterscheidet Tarife für Einzelpersonen (Free, Pro, Max) und für Organisationen (Team, Enterprise). Diese Grenze entscheidet über Verträge und Datenschutz und ist deshalb wichtiger als der Funktionsumfang.
Privat-Tarife: Free, Pro und Max
Jedes Konto gehört einer einzelnen Person. Anthropic verarbeitet die Daten als eigener Verantwortlicher, einen Auftragsverarbeitungsvertrag gibt es nicht, und ob Chats ins Training künftiger Modelle einfließen, stellt jede Person selbst ein. Die Verbraucher-Bedingungen für den Europäischen Wirtschaftsraum schließen eine kommerzielle oder geschäftliche Nutzung zudem ausdrücklich aus. Für Kunden- oder Mitarbeiterdaten sind diese Tarife deshalb nicht geeignet.
Team: der Business-Tarif für kleine Betriebe
Team ist für Organisationen ab zwei Mitgliedern gedacht (bis 150 Plätze) und läuft unter den kommerziellen Bedingungen von Anthropic: Inhalte werden standardmäßig nicht zum Training verwendet, der Auftragsverarbeitungsvertrag mit Standardvertragsklauseln ist automatisch Bestandteil. Dazu kommen zentrale Abrechnung und Verwaltung, Single Sign-on und organisationsweite Einstellungen für Connectors, Skills und Plugins. Neben Standard-Plätzen gibt es Premium-Plätze mit deutlich mehr Nutzungsvolumen, die Sie gezielt einzelnen Personen zuweisen.
Enterprise: für größere Organisationen
Enterprise ergänzt unter anderem Audit-Logs, automatische Nutzerverwaltung (SCIM) und individuell einstellbare Aufbewahrungsfristen. Online buchbar ist Enterprise ab 20 Plätzen; für Betriebe mit weniger Nutzern kommt daher in erster Linie Team infrage.
Diese Fragen helfen bei der Entscheidung:
- Verarbeiten Sie mit Claude Kunden-, Patienten- oder Mitarbeiterdaten? Dann nur Team oder Enterprise.
- Wie viele Personen sollen Claude nutzen, und wer braucht besonders viel Nutzungsvolumen?
- Brauchen Sie zentrale Kontrolle über Nutzer, Anbindungen und das Ausscheiden von Mitarbeitenden?
- Hat Ihr Betrieb E-Mail-Adressen mit eigener Domain? Team setzt sie voraus.
- Was kostet der Tarif? Aktuelle Preise prüfen Sie direkt bei Anthropic; sie ändern sich und unterscheiden sich nach Region und Steuer.
Für Einzelunternehmer gilt: Team setzt mindestens zwei Mitglieder voraus und ist nicht für die Einzelnutzung gedacht. Wer allein mit einem Privat-Tarif arbeitet, sollte zumindest die Trainingsnutzung abschalten und keine personenbezogenen Kundendaten eingeben.
Schritt 2: Organisation anlegen und Nutzer einladen
Die Team-Organisation legen Sie auf claude.ai mit einer geschäftlichen E-Mail-Adresse an. Freemail-Adressen wie Gmail akzeptiert Anthropic dafür nicht, und alle Mitglieder brauchen Adressen einer freigegebenen Firmendomain. Falls Ihr Betrieb noch keine eigene Domain nutzt, hilft der Beitrag Hosting, Domain & Zugänge.
- Mitglieder einladen: unter „Organization settings > Members“ per E-Mail, als Sammeleinladung oder über einen Einladungslink.
- Rollen vergeben: Den Primary Owner, der unter anderem die Abrechnung verwaltet, gibt es nur einmal. Owner und Admins verwalten Mitglieder und Funktionen. Richten Sie eine zweite Person mit Owner-Rechten als Vertretung ein.
- Private Konten klären: Bisher privat genutzte Konten lassen sich in die Organisation übernehmen; Chats und Projekte ziehen dann mit um, eigene Skills nicht. Entscheiden Sie bewusst, was mitkommt.
- Ausscheiden regeln: Wird ein Mitglied entfernt, verliert es sofort den Zugang, und seine privaten Chats und Projekte sind auch für andere nicht mehr erreichbar. Wichtiges gehört deshalb in geteilte Projekte.
Schritt 3: Datenschutz-Einstellungen prüfen
Im Team-Tarif sind die Voreinstellungen datenschutzfreundlicher als in den Privat-Tarifen. Prüfen Sie trotzdem diese Punkte:
- Feedback-Funktion: Chats, die jemand mit Daumen hoch oder runter bewertet, darf Anthropic auch bei Business-Tarifen bis zu fünf Jahre speichern und für das Training nutzen. Owner können die Bewertung unter „Organization settings > Data and Privacy“ abschalten.
- Gedächtnis (Memory): Im Team-Tarif ist es standardmäßig aus und kann von einem Owner aktiviert werden. Entscheiden Sie bewusst, ob Claude sich Inhalte über Chats hinweg merken soll.
- Code-Ausführung: Claude braucht sie für Skills und das Erstellen von Dateien. Beschränken Sie den Netzwerkzugriff dieser Umgebung auf das Nötige, denn Anthropic nennt selbst das Risiko, dass manipulierte Inhalte Daten nach außen schleusen könnten.
- Lokale Arbeit am Rechner: Arbeitet Claude in der Desktop-App lokal, liegt der Verlauf auf dem jeweiligen Computer und lässt sich nicht zentral verwalten oder löschen. Die Geräte sollten verschlüsselt und mit Bildschirmsperre geschützt sein.
- Löschkonzept: Individuelle Aufbewahrungsfristen nennt Anthropic als Enterprise-Funktion. Regeln Sie intern, dass Chats mit personenbezogenen Daten nach Abschluss gelöscht werden; gelöschte Chats entfernt Anthropic innerhalb von 30 Tagen aus seinen Systemen.
- Vertrag dokumentieren: Legen Sie die kommerziellen Bedingungen samt Auftragsverarbeitungsvertrag in Ihrer Datenschutzdokumentation ab. Worauf es bei solchen Verträgen ankommt, erklärt der Beitrag Datenschutz in der Praxis: AV-Vertrag & Co.
Schritt 4: Projekte mit eigenem Wissen und Anweisungen anlegen
Projekte sind abgegrenzte Arbeitsbereiche: Sie laden Dokumente als Projektwissen hoch und legen Anweisungen fest, etwa zu Tonfall, Rolle oder festen Regeln. Beides berücksichtigt Claude in jedem Chat des Projekts. Im Team-Tarif lassen sich Projekte mit einzelnen Personen oder der ganzen Organisation teilen, zum Ansehen und Chatten oder mit Bearbeitungsrechten. Sinnvolle erste Projekte können sein:
- Angebote: Preisliste, Leistungsbeschreibungen, Textbausteine und einige gelungene Beispielangebote ohne Kundendaten.
- Kundenservice: häufige Fragen, Ablauf eines Auftrags, Liefer- und Zahlungsbedingungen, Musterantworten.
- Interne Abläufe: Checklisten, Zuständigkeiten, Vorlagen für Protokolle und Übergaben.
Laden Sie nur aktuelle Dokumente hoch, vermerken Sie den Stand im Dateinamen und benennen Sie pro Projekt eine verantwortliche Person. Zusätzlich können Owner Organisationsanweisungen festlegen, die in allen Chats gelten – etwa Sprache, Anrede oder die Vorgabe, keine verbindlichen Preiszusagen zu formulieren.
Schritt 5: Connectors zu vorhandenen Programmen verbinden
Connectors verbinden Claude mit Programmen, die Sie schon nutzen. Im Team-Tarif gibt ein Owner jeden Connector zuerst für die Organisation frei („Organization settings > Connectors“); danach meldet sich jede Person einzeln an, und Claude arbeitet mit deren Rechten. Owner können zudem pro Aktion festlegen, ob sie immer erlaubt ist, eine Freigabe braucht oder gesperrt ist.
- Google Workspace: Gmail, Google Kalender und Google Drive. Claude kann E-Mails suchen, lesen und entwerfen und fragt vor dem Senden standardmäßig nach Ihrer Bestätigung. Blockiert Ihr Workspace den Zugriff, muss ein Administrator Claude in der Google-Admin-Konsole als vertrauenswürdige App einstufen.
- Microsoft 365: Outlook mit E-Mail und Kalender, OneDrive, SharePoint und Teams. Der Connector liest standardmäßig nur; Schreibfunktionen wie das Senden von E-Mails lassen sich zusätzlich freischalten. Voraussetzung ist ein geschäftliches Microsoft-Konto, und ein globaler Administrator in Microsoft Entra muss einmalig zustimmen.
- Weitere Dienste: etwa Slack sowie Anbindungen aus dem Verzeichnis von Anthropic. Connectors zu Servern, die Anthropic nicht geprüft hat, sollten nur von vertrauenswürdigen Anbietern stammen.
Starten Sie lesend, erlauben Sie Schreibaktionen nur mit Freigabe und verbinden Sie nur, was der erste Ablauf wirklich braucht. Daten aus den Gmail-, Drive- und Kalender-Connectors nutzt Anthropic nach eigenen Angaben nicht zum Training.
Schritt 6: Skills und Plugins für wiederkehrende Aufgaben
Skills sind Pakete aus Anweisungen, Vorlagen und gegebenenfalls Skripten, die Claude lädt, wenn eine passende Aufgabe ansteht – etwa die mitgelieferten Skills für Word, Excel, PowerPoint und PDF. Eigene Skills lassen sich ohne Programmierkenntnisse als Anleitung formulieren und unter „Customize > Skills“ als ZIP-Datei hochladen; die Code-Ausführung muss dafür aktiviert sein. Im Team-Tarif können Owner Skills unter „Organization settings > Plugins & skills“ allen Mitgliedern bereitstellen.
Der Unterschied zum Projekt: Ein Projekt liefert Hintergrundwissen zu einem Thema, ein Skill beschreibt, wie eine bestimmte Aufgabe erledigt wird, und steht in jedem Chat bereit. Denkbar sind etwa Skills für Angebote nach Hausstandard, für Besprechungsprotokolle aus Stichpunkten oder für den Monatsbericht.
Plugins bündeln Skills, Connectors und spezialisierte Hilfsagenten für Rollen wie Vertrieb, Finanzen oder Marketing. Sie stehen in den bezahlten Tarifen bereit; im Team-Tarif steuern Owner, welche Plugins das Team sieht. Wie bei Software gilt: nur aus vertrauenswürdigen Quellen installieren und vorher ansehen, was darin steckt.
Schritt 7: Mit Dateien arbeiten und Aufgaben planen
Claude kann Word-, Excel-, PowerPoint- und PDF-Dateien erstellen und bearbeiten. In der Desktop-App für Windows und macOS können Sie Claude außerdem Zugriff auf einen Ordner Ihres Computers geben, damit es dort Dateien liest, ordnet und anlegt – allerdings nur, solange die App geöffnet ist. Für den sicheren Umgang gilt:
- Geben Sie einen eigenen Arbeitsordner frei, nicht die ganze Festplatte oder das Firmenlaufwerk.
- Ordner mit Finanzunterlagen, Zugangsdaten oder Personalakten bleiben gesperrt.
- Lassen Sie bei sensiblen Aufgaben jede Aktion einzeln bestätigen – so ist Claude standardmäßig eingestellt; den automatischen Modus meiden Sie beim Einstieg und bei heiklen Aufgaben besser. Endgültiges Löschen von Dateien erfordert ohnehin Ihre ausdrückliche Zustimmung.
- Behalten Sie laufende Aufgaben im Blick und stoppen Sie sie, wenn Claude auf Dateien oder Webseiten zugreift, die Sie nicht genannt haben.
Geplante Aufgaben erledigt Claude in allen bezahlten Tarifen in festem Rhythmus, etwa täglich oder wöchentlich – zum Beispiel eine Zusammenfassung des Posteingangs jeden Montagmorgen oder einen Wochenbericht aus Tabellen in Google Drive. Sie laufen in der Cloud, also auch bei ausgeschaltetem Computer, und nutzen Connectors und im Claude-Konto gespeicherte Dateien statt lokaler Ordner. Für Kennzahlen, die dauerhaft sichtbar sein sollen, ergänzt ein Dashboard solche Berichte. Wie sich die Bausteine zu einem Ablauf zusammensetzen lassen, beschreibt der Abschnitt KI-Assistenten einrichten.
Schritt 8: Team einweisen und Regeln festlegen
Die beste Einrichtung nützt wenig, wenn niemand weiß, was erlaubt ist. Zudem verlangt Artikel 4 der europäischen KI-Verordnung – seit Ende Juli 2026 in geänderter Fassung –, dass Betriebe Maßnahmen ergreifen, um die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten zu fördern; ein bestimmtes Niveau müssen sie nicht garantieren. Standardisierte Schulungen oder Zertifikate sind laut Bundesnetzagentur nicht nötig, eine Dokumentation der Maßnahmen ist aber sinnvoll. Eine kurze Einweisung sollte abdecken:
- Was Claude gut kann und wo es Fehler macht.
- Welche Daten eingegeben werden dürfen und welche nicht.
- Wie Ergebnisse geprüft werden und wer Texte an Kunden freigibt.
- Wie Projekte, Skills und Connectors im Betrieb genutzt werden.
- Wann Aktionen zu bestätigen sind und wie man eine laufende Aufgabe stoppt.
- An wen man sich bei Fragen, Fehlern oder versehentlich eingegebenen Daten wendet.
Halten Sie Datum, Teilnehmende und Inhalte fest und fassen Sie die Regeln in einer kurzen KI-Richtlinie zusammen. Eine Checkliste dafür finden Sie im Ratgeber KI und Datenschutz.
Typische Fehler bei der Einrichtung – und wie Sie sie vermeiden
- Firmendaten in privaten Konten: Mitarbeitende nutzen weiter eigene Free- oder Pro-Konten, obwohl es einen Team-Tarif gibt.
- Alles auf einmal freischalten: alle Connectors mit Schreibrechten, automatischer Modus, voller Laufwerkszugriff – ohne konkreten Bedarf.
- Nur eine Person mit Owner-Rechten: Fällt sie aus, kommt niemand mehr an die Einstellungen.
- Veraltetes Projektwissen: Eine alte Preisliste im Projekt führt zu falschen Angeboten.
- Wichtiges in privaten Projekten: Scheidet jemand aus, sind dessen private Chats und Projekte für das Team verloren.
- Ungeprüfte Skills, Plugins und Ergebnisse: Anweisungspakete aus unbekannten Quellen und ungeprüft übernommene Zahlen, Fristen oder Zusagen sind vermeidbare Risiken.
Fazit
Claude lässt sich in einem kleinen Betrieb ohne IT-Abteilung sauber einrichten, wenn Sie in der richtigen Reihenfolge vorgehen: erst Tarif und Vertrag, dann Nutzer und Datenschutz-Einstellungen, danach Projekte, Connectors und Skills für einen konkreten Ablauf. Geben Sie nur die Rechte frei, die dieser Ablauf braucht, und lassen Sie Claude vor Aktionen nachfragen. Welche Aufgaben sich für den Anfang eignen, zeigt der Ratgeber KI im Kleinbetrieb.

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